T wie Trauma: Wenn die Vergangenheit mitreagiert – Trauma beim Hund verstehen

Shownotes

T wie Trauma: Wenn die Vergangenheit mitreagiert

Nicht jedes schwierige Verhalten ist ein Trauma. Aber jedes Verhalten hat einen Grund.

Und manchmal liegt dieser Grund tiefer, als wir auf den ersten Blick erkennen können.

🧩 Worum es in dieser Folge wirklich geht

Es geht nicht darum, plötzlich hinter jedem Verhalten ein Trauma zu vermuten.

Sondern genauer hinzusehen.

Was bringt den Hund aus dem Gleichgewicht?

Welche Reize lösen Reaktionen aus?

Was passiert unmittelbar davor?

Und was braucht dieser Hund heute?

Denn:

Nicht das Ereignis allein entscheidet. Sondern wie das Nervensystem es verarbeitet.

⚠️ Wenn die Reaktion nicht zur Situation passt

Ein Geräusch. Eine Bewegung. Ein bestimmter Ort.

Für uns vielleicht völlig harmlos.

Für den Hund kann genau dieser Reiz etwas aktivieren, das längst vergangen ist.

Plötzlich reagiert er auf eine Welt, die wir nicht sehen können.

🔍 Du musst nicht die ganze Vergangenheit kennen

Was ist damals passiert?

Diese Frage beschäftigt viele Menschen mit Hunden aus schwierigen Verhältnissen.

Doch manchmal werden wir die Antwort nie erfahren.

Viel entscheidender ist:

Was bringt deinen Hund heute aus dem Gleichgewicht?

Denn genau dort können wir anfangen hinzusehen.

🧭 Für wen diese Folge ist

Für Menschen,

deren Hund scheinbar „aus dem Nichts“ reagiert

die Trigger besser verstehen möchten

die Verhalten nicht vorschnell bewerten wollen

die hinter die sichtbare Reaktion schauen möchten

🐾 Dein Leckerli zur Folge

Passend zu dieser Folge geht es am Freitag im Wöchentlichen Pfotenimpuls noch einmal um das Thema Trauma und schwieriges Hundeverhalten.

Dort bekommst du zusätzlich mein PDF:

„Wenn die Vergangenheit mitreagiert – 5 Pfotenimpulse für einen anderen Blick auf schwieriges Hundeverhalten“

Kurz. Praktisch. Zum Mitnehmen in euren Alltag.

👉 Jetzt zum Wöchentlichen Pfotenimpuls anmelden und das PDF bekommen: https://praxis-hundewelt.de/newsletter/

Und wenn du beim Hören an einen Menschen mit Hund denken musstest:

Schick ihm diese Folge weiter.

Vielleicht verändert sie nicht sofort das Verhalten seines Hundes.

Aber seinen Blick darauf.

❗ Wichtiger Hinweis Ich beantworte vorab keine individuellen Fragen. Der Entscheidungsraum ist Teil des Prozesses. Nicht-Entscheiden ist ebenfalls eine Entscheidung.

✨ Abschließender Gedanke Der Hund wird nicht falsch. Er wird oft nur falsch verstanden, von Anfang an.

Diese Folge war keine Anleitung. Und sie war auch nicht dafür gedacht, ein Problem zu lösen.

Sondern um dir zu zeigen, wo du wirklich stehst.

Wenn du das für dich klären willst, dann ist der Entscheidungsraum der nächste Schritt.

Alle Infos dazu findest du auf meiner Website www.praxis-hundewelt.de

Transkript anzeigen

00:00:00: Ein liebes Hallo und herzlich willkommen beim Felgeflüster, dem Podcast für Menschen die spüren.

00:00:06: Es liegt nicht am Hund sondern an dem was zwischen euch passiert.

00:00:11: Hier geht es nicht um Trainings Tricks oder schnelle Lösungen Sondern um Klarheit im System Um Verantwortung Und vor allem um die Frage warum dein Hund dir wirklich folgt Oder eben nicht.

00:00:23: Vielleicht ist dir das Wort Trauma in den letzten Jahren immer häufiger begegnet.

00:00:28: Nicht nur in der Psychologie, sondern auch in der Hundewelt.

00:00:32: Also plötzlich scheint fast jedes auffüllige Verhalten ein Trauma zu sein!

00:00:38: Der Hund hat Angst-Trauma... ...der Hund schnappt Trauma.

00:00:44: Doch so einfach ist es nicht.

00:00:46: Denn nicht jedes problematische Verhalten entsteht durch einen Trauma.

00:00:51: Ein Hund kann unsicher sein Er kann schlecht sozialisiert sein.

00:00:58: Er kann vielleicht auch Schmerzen haben, er kann etwas nie gelernt haben, kann auch sein.

00:01:06: und trotzdem gibt es Hunde deren Verhalten tatsächlich durch belastende Erfahrungen geprägt wurden also die wirklich tatsächlich ein Trauma haben.

00:01:15: das sind dann Erfahrungen die einfach ihr Nervensystem grundlegend verändert haben oder vielleicht auch etwas verändert haben.

00:01:25: Es gibt ja unterschiedliche Abstufungen in Sachen Trauma, nicht jedes Trauma ist genauso heftig wie das andere und Erfahrungen die dafür sorgen dass diese Situation völlig anders wahrgenommen wird Gibt es ja auch.

00:01:43: Und genau deshalb ist es so wichtig zwischen einem schwierigen Verhalten und einer traumatischen Belastung unterscheiden zu können, denn nur wenn wir verstehen was wirklich dahinter steckt oder hinter diesem Verhalten steht, können wir unserem Hund wirklich helfen.

00:02:02: Deswegen mache ich heute auch diesen Podcast weil er so extrem wichtig ist.

00:02:06: Was jetzt Trauma wirklich bedeutet?

00:02:08: Also ein Trauma ist kein Ereignis sozusagen, es ist die Reaktion des Nervensystems auf ein Ereignis.

00:02:19: Also das ist kein Eregnis sondern die Reakktion des Nervensystems.

00:02:23: Zwei Hunde können jetzt dieselbe Situation erleben.

00:02:26: der eine verarbeitet sie problemlos.

00:02:28: zum Beispiel sagen wir mal einen Welpe der bei dir ankommt und an der Straße entlang läuft und ein Lkw fängt an zu hopen also er fährt direkt an euch vorbei.

00:02:40: der eine Welt besorgt, mir doch egal.

00:02:43: Da war halt eben ein Lkw, die er gehobt hat und der andere Welpe entwickelt eine dauerhafte Belastung und kann plötzlich Lkws überhaupt nicht mehr gut wahrnehmen oder hat immer wieder Stress dabei?

00:02:59: Das bedeutet jetzt nicht das Ereignis allein entscheidet oder das Eereignis alleine ist per sie schlecht sondern es entscheidet wie der Hund dieses Eregnis erlebt.

00:03:11: Und genau deshalb reagieren traumatisierte Hunde oft auf Situationen, die für Außenstehende völlig ungefährlich wirken.

00:03:20: Also wir hatten mal einen Hund in einer Resozialisations-Situation der auf ein bestimmtes Geräusch des Mobiltelefons reagiert hat.

00:03:33: Wir wussten es ja vorher nicht weil uns das nicht mitgeteilt wurde aber Man fand es dann eben im Zusammenleben heraus und das ist, finde ich auch oft die Schwierigkeit Hunde zu resozialisieren oder Hunden wieder eine Möglichkeit zu geben in den Alltag zu finden.

00:03:59: Weil die Besitzer meist gar nicht gewusst haben was triggert den Hund jetzt?

00:04:02: Was ist denn ein Trauma?

00:04:04: oder was ist denn jetzt einfach ein ängstlicher Hund?

00:04:08: Und das kann wirklich eben ein bestimmtes Geräusch sein, dieses Trauma oder dieser Triggerpunkt der dieses Traum dann natürlich wieder reaktiviert.

00:04:21: Eine Stimme oder einen ganz bestimmten Ort, einem ganz bestimmter Geruch.

00:04:26: also sind ganz verschiedene Reize und diese nennt man eben Trigger.

00:04:30: Sie erinnern dass Nervensystem an etwas das ja längst vorbei ist Aber im Nervensystem wurde es abgespeichert und ist immer noch vorhanden.

00:04:40: Und diese Trigger reaktivieren dieses Gefühl.

00:04:44: Für uns ist ja der Moment sowieso vorbei, wir Menschen wissen ja sowieso gar nicht was denn jetzt hier los ist.

00:04:51: vielleicht haben wir den Moment so auch gar nicht wahrgenommen.

00:04:54: für den Hund fühlt er sich aber in diesem Augenblick wieder vollkommen real an und das ist die Schwierigkeit an dem Ganzen.

00:05:03: Wenn jetzt Erinnerungen stärker sind als die Gegenwart, dann wird es natürlich für uns Menschen wirklich tricky.

00:05:11: Ich möchte dazu eine Geschichte aus meiner Praxis erzählen.

00:05:15: vor einigen Jahren da bekam ich einen Anruf aus der Tierklinik an Hund sollte eingeschleffert werden und Der Grund dahinter war.

00:05:23: er hatte mehrfach schwer gebissen.

00:05:26: Und zuletzt hat er so schwer gebissen dass die Besitzerin sogar ins Krankenhaus musste, also sie musste operiert werden mehrfach und ja das ist natürlich heftig.

00:05:41: Die Besitzer wussten nicht mehr damit umzugehen.

00:05:45: als ich den Namen dann hörte wusste ich genau um welchen Hund es ging.

00:05:50: Es war ein Hund aus der Zucht einer Kollegin Auch hier aus Bayern und ich kannte ihn sogar.

00:05:57: Also wir waren damals, ich war mit meinem allerersten Hund, mit ihm zusammen in der Hundeschule.

00:06:03: Damals hatte ich schon so ein bisschen einen Gefühl dass irgendwas nicht stimmt aber ich konnte es noch nicht so einordnen also zu dem Zeitpunkt zumindest noch nicht.

00:06:15: Gemeinsam mit Freunden haben wir dann entschieden das dieser Hund nicht eingeschleffert werden soll.

00:06:22: Wir haben den Stein ins Rollen gebracht, dass er quasi da raus kann.

00:06:27: Und er kam stattdessen in die Obhut meiner Freundin, die eine Hundepension führt und auch mit schwierigen Hunden sehr gut umgehen kann.

00:06:36: also wir haben dann zusammen einfach entschieden das es besser für ihn ist dort zu sein.

00:06:45: bei uns war's unmöglich weil ich immer wieder läufige Hündinnen hatte.

00:06:49: Es waren Rüde und ja, somit durfte er dort sein ohne dass wir ihn bewertet haben.

00:07:00: Ohne das er verurteilt wurde sondern wir sind und zwar vor allem meine Freundin die ging ins Verstehen also sie testete ihnen Sie guckte sie sie merkte sich kleinste Dinge Ja und mit der Zeit fiel eben auf, dass dieses Handy das vibrierte etwas auslöste in ihm.

00:07:25: Und der Hund verändete sich schlagartig.

00:07:27: Sein gesamter Körper spannte sich an.

00:07:29: Er schaß nach vorne und in manchen Situationen bis er sogar.

00:07:33: also hat wirklich auch die Mitarbeiter dort verletzt.

00:07:39: Für Außenstehende war das völlig unverständlich.

00:07:41: für ihn war es offenbar vollkommen logisch weil eben dieser Trigger im Hirn diese Erfahrung angeschalten hat.

00:07:52: Also irgendwann wurde uns dann klar, dieses Vibrieren musste für ihn etwas bedeuten oder es musste irgendwas auslösen und vielleicht folgte darauf auch Gewalt oder es gab eine Verknüpfung mit irgendetwas zusammen also zum Beispiel Gewalt.

00:08:11: und das Handy vibrierte zufällig dort in in seinem alten Zuhause, das kann man jetzt natürlich nicht mehr nachvollziehen.

00:08:20: oder vielleicht ja hatte er fest geschlafen und wurde geweckt.

00:08:27: Und gleichzeitig vibrierte das Handy.

00:08:30: also das wissen wir einfach nicht genau.

00:08:32: Wir wissen aber aus Beobachtungen dass dieses Handy ein Trigger war und ehrlich gesagt Wir mussten auch gar nicht mehr wissen.

00:08:42: Das Entscheidende war, was damals genau passiert war, sondern entscheidend ist zu erkennen, was heute seine Reaktion auslöst und das ist das Handy, das vibriert!

00:08:55: Und wir müssen jetzt eben einfach nicht alles wissen – das ist ganz wichtig in dieser Sache.

00:09:02: Viele Menschen möchten ja unbedingt herausfinden, was ihrem Hund früher passiert ist.

00:09:08: Natürlich wäre es manchmal hilfreich, ja?

00:09:10: Das ist ganz klar.

00:09:12: Aber oft werden wir es nie erfahren, niemals und trotzdem können wir helfen!

00:09:17: Das ist so wichtig denn entscheidend ist nicht immer die Vergangenheit.

00:09:22: Entscheidend ist die Gegenwart.

00:09:23: welche Situationen bringen jetzt den Hund aus dem Gleichgewicht, welche Geräusche, welche Bewegungen, welche Menschen, welche Abläufe... Und je besser wir beobachten desto besser können wir Zusammenhänge erkennen.

00:09:40: Und genau deshalb empfehle ich meinen Kunden häufig ein Tagebuch zu führen, nicht über das Problem an sich sondern über die Situation davor.

00:09:49: was passiert mit der Stimmung denn dort finden sich oft die eigentlichen Auslöser und dass es wirklich spannend ist was man hier alles zu Gesicht bekommt Denn das ist häufig im Training das Verborgen Leckerli!

00:10:06: Heute gibt es wieder ein Leckerly von mir für dich und was es genau ist.

00:10:11: Und wie du dorthin kommst, dass du's bekommst?

00:10:15: Das erfährst Du in den Show Notes.

00:10:18: Sei gespannt und schnapp dir mein Leckerl.

00:10:22: Trauma kann jetzt nicht einfach wegtrainiert werden.

00:10:24: das ist auch ganz wichtig.

00:10:26: Ein weiterer wichtiger Punkt Es geht nicht darum, den Hund mit genügend Wiederholungen über seine Angst hinweg zu bringen.

00:10:34: Man denkt ja immer so wie habe ich ein Leckerli?

00:10:38: Die Leberwurst wird schon richten!

00:10:40: Es geht darum dem Nervensystem neue Erfahrungen zu ermöglichen.

00:10:44: Der Hund braucht Sicherheit Er braucht Vorhersehbarkeit Er braucht Kontrolle Er braucht Ruhe.

00:10:51: Ja manche Trigger lassen sich Mit der Zeit Abschwächenante bleiben ein Leben lang bestehen.

00:10:56: Und das ist keine Niederlage, das muss man ganz klar sagen.

00:11:00: Manchmal bedeutet gutes Training eben auch bestimmte Situationen bewusst zu vermeiden – nicht aus Schwäche sondern weil wir unseren Hund ernst nehmen!

00:11:11: Training bedeutet nicht immer Konfrontation.

00:11:16: Training bedeutet kluge Entscheidungen zu treffen.

00:11:20: Wenn wir Verhalten jetzt vorschnell als Trauma abstempeln oder bezeichnen, dann tun wir wieder dem Hund noch den Menschen etwas Gutes.

00:11:27: Denn dann hören wir auf genau hinzuschauen.

00:11:30: Genauso problematisch ist aber das Gegenteil nämlich zu sagen wer muss sich hier zusammenreißen?

00:11:39: Muss der Hund sich... Einfach zusammenreißen?

00:11:42: oder der ist halt dominant, kann man ja auch sagen.

00:11:45: Beides greift aber viel zu kurz.

00:11:47: Verhaltenes-Kommunikation und gerade Hunde mit belastenden Erfahrungen zeigen uns oft sehr deutlich dass ihr Nervensystem überfordert ist.

00:11:58: Unsere Aufgabe ist deshalb nicht den Hund möglichst schnell zu verändern sondern ihn zunächst zu verstehen Und da kommt man hier so irgendwie auf den Punkt.

00:12:08: Der Hund kämpft manchmal gegen Erinnerungen, also der Hund aus meiner Geschichte wurde übrigens sechs Jahre alt als er zu uns kam.

00:12:18: Also der war schon sechs Jahre bei den Vorbesitzern und er durfte noch einmal genauso viele Jahre leben jetzt nicht perfekt aber sicher mit Menschen die seine Trigger kannten nicht perfekt für unsere Vorstellungen, aber es war perfekt für ihn.

00:12:39: Also Menschen die ihn nicht in Situationen brachten, die er nicht bewältigen konnte und die gelernt hatten seinen Verhalten richtig einzuordnen.

00:12:47: dieser Hund kämpfte nicht gegen die Gegenwart Er kämpfte gegen die Erinnerungen.

00:12:54: Und genau das vergessen wir manchmal, nicht jeder Hund der plötzlich explodiert entscheidet sich bewusst dafür.

00:13:01: Manche Hunde reagieren auf eine Welt, die wir gar nichts sehen können!

00:13:06: Vielleicht nimmst du aus dieser Folge vor allem eins mit.

00:13:10: Nicht jedes Verhalten ist ein Trauma, aber jedes Verhalten hat einen Grund und manchmal liegt dieser Grund viel tiefer als wir auf den ersten Blick erkennen können.

00:13:20: Deshalb wünsche ich mir dass wir vorsichtiger mit dem Begriff Trauma umgehen.

00:13:25: nicht weil jetzt jedes Trauma weil es die Traumien nicht gibt, sondern weil echte traumatische Belastungen unsere volle Aufmerksamkeit verdienen.

00:13:37: Also beobachte deinen Hund!

00:13:40: Nimm seine Reaktionen ernst!

00:13:42: Versuche nicht als erstes das Verhalten zu verändern.

00:13:46: Versuche zuerst ist zu verstehen.

00:13:49: Denn genau dort beginnt gutes Training.

00:13:53: Nicht mit der Frage wie bekomme ich jetzt dieses Verhalten weg?

00:13:56: um jeden Preis, sondern mit der viel wichtigeren Frage.

00:14:01: Was versucht mir mein Hund gerade zu sagen?

00:14:06: Ja und das war es wieder beim Felgeflüster dem Podcast über das was Beziehung wirklich verändert!

00:14:12: Wenn du verstehen willst warum dein Hund reagiert wie er reagiert findest Du mehr Impulse unter www.praxis-hundewelt.de Und vielleicht hörst Du beim nächsten Mal schon etwas anders hin.

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